Gedanken zum Nutzen der deutschen „Energiewende“

Wer sich heute in Deutschland kritisch zum ungesteuerten Ausbau der Windkraft äußert, braucht ein dickes Fell. Es dauert meist nicht lange, bis die Keule der Diffamierung geschwungen wird: Als „Schwurbler“, „ewig Gestrige“ oder technologiefeindliche Bremser werden wir oft beschimpft und – wenn die Argumente vollends ausgehen – reflexartig in politisch unliebsame Ecken gesteckt. Doch dieses Zerrbild könnte falscher nicht sein.

Wir von der Bürgerinitiative Windradfrei SOE haben absolut nichts gegen erneuerbare Energien. Wir verschließen die Augen weder vor dem Wandel noch vor der Notwendigkeit einer sicheren Energieversorgung. Wogegen wir uns allerdings mit aller Entschiedenheit wehren, ist die unüberlegte, planlose Zerstörung unserer wertvollen Natur, unserer Wälder und sensiblen Lebensräume vor der eigenen Haustür – und das für Industrieanlagen, deren realer Nutzen für das globale Klima in dieser Form minimal ist.

Warum der deutsche Alleingang die Natur opfert und Milliarden verbrennt

Dabei liegt die logische, physikalisch und ökonomisch sinnvollste Lösung längst auf der Hand. Man müsste sie nur endlich umsetzen. Dafür müsste sich die Europäische Union allerdings einmal als das beweisen, was sie auf Hochglanzprospekten immer vorgeblich sein will: eine echte, handlungsfähige Gemeinschaft, die Probleme kontinental statt kleinstaatlich löst.

Es gibt eine Vision von Europa, die klingt so logisch, dass man sie eigentlich sofort unterschreiben möchte: Wenn in Andalusien die Sonne brennt, pumpt sie die riesigen Wasserspeicher in den Alpen voll. Wenn an Schottlands Küsten der Wind peitscht, versorgt er die Industrie im Ruhrgebiet. Und wenn es in Frankreich Nacht wird, stützen verlässliche Kapazitäten die Grundlast des gesamten Kontinents. Ein pan-europäisches „Supergrid“ – ein einziges, voll integriertes Stromnetz ohne Grenzen.

Doch wer die Realität im Jahr 2026 betrachtet, sieht das genaue Gegenteil. Statt physikalischer Vernunft erleben wir die Ära des nationalen Egoismus. Mittendrin: Deutschland mit einem beispiellosen, ineffizienten Alleingang, der nicht nur astronomische Summen verschlingt, sondern auch die Natur vor unserer eigenen Haustür schutzlos industrialisiert.

Ein Netz aus Nadelöhren

Offiziell haben wir natürlich einen europäischen Stromverbund (koordiniert durch die ENTSO-E). Doch dieses System ist kein einheitliches Netz, sondern ein loses Stückwerk aus nationalen Netzen, die über viel zu dünne Grenzleitungen (Kuppelleitungen) miteinander verbunden sind.

Das von der EU ausgerufene Ziel, dass jedes Land bis 2030 mindestens 15 % seiner installierten Leistung über die Grenzen transportieren können muss, wird krachend verfehlt. Fast 80 % des europäischen Stromsystems hinken hinterher. Spanien – der logische Solargigant des Kontinents – ist elektrisch fast eine isolierte Insel, weil die Leitungen über die Pyrenäen einem Rinnsal gleichen. Die Folge: Europa kann seine geografischen Stärken überhaupt nicht ausspielen.

Der deutsche Sonderweg

Weil der europäische Netzausbau politisch verschleppt wird, versucht die deutsche Politik, die „Klimaneutralität“ mit der Brechstange innerhalb der eigenen Staatsgrenzen zu erzwingen. Aus physikalischer und mathematischer Sicht ist das ein Desaster.

  1. Das Geografie-Dilemma
    Die Sonneneinstrahlung in Sachsen oder Brandenburg liegt im Schnitt bei rund 1.000 Kilowattstunden pro Quadratmeter. In Südspanien sind es über 2.000. Das bedeutet eine einfache, unumstößliche mathematische Formel: Um dieselbe Menge Strom zu erzeugen, müssen wir in Deutschland exakt die doppelte Fläche mit Solarmodulen zubauen wie im Süden Europas.
  2. Das Speicher-Minus
    Da das Wetter in Deutschland relativ homogen ist, liefert der Alleingang im Winter oft tagelang fast nichts. Die Konsequenz? Wir müssen eine komplette, milliardenschwere Schatten-Infrastruktur aus Speichern und Wasserstoff-Kraftwerken hochziehen. Weil die Kette vom Strom zum Wasserstoff und zurück zum Strom aber zwei Drittel der Energie vernichtet (Wirkungsgrad von mageren 35 %), müssen wir im Sommer gigantische Überschüsse produzieren, was den Druck auf unsere Landschaften massiv erhöht.

Das Kosten-Nutzen-Urteil

Würde man dieselbe Milliarde Euro, die Deutschland in den ineffizienten nationalen Ausbau steckt, in ein echtes europäisches Supernetz investieren (70 % in Erzeugung an den besten Standorten Europas, 30 % in verlustfreie Gleichstrom-Autobahnen), sähe das Ergebnis völlig anders aus.

Selbst wenn man die Transportverluste über tausende Kilometer einrechnet, ist jeder investierte Euro im europäischen Verbundnetz ist mehrfach effizienter als im deutschen Alleingang. Ein rechnerisches Kosten-Nutzen-Verhältnis von knapp 1 zu 3,6 leitet sich direkt aus den offiziellen Wetterdaten der EU (PVGIS) und den physikalischen Wirkungsgraden des Fraunhofer-Instituts her. Das bedeutet im Klartext: Ein gemeinsames europäisches Großprojekt würde das hehre Ziel des Klimaschutzes mit einem Bruchteil des Geldes erreichen. Uns würden europaweit hunderte Milliarden Euro für andere wichtige Aufgaben zur Verfügung stehen – und der immense Druck, Windkraftanlagen in deutsche Schutzgebiete, Nutzwälder und Natura2000-Regionen zu pressen, wäre schlagartig vom Tisch.

Die Masterpläne liegen in der Schublade

Wer nun glaubt, das „Supergrid“ sei eine reine Utopie, der irrt. Die europäischen Übertragungsnetzbetreiber haben unter dem Dach der ENTSO-E längst fertige, detaillierte Konzepte wie die „Vision 2050“ ausgearbeitet. Auch die ersten Bausteine entstehen bereits, wie die Hybrid-Interkonnektoren der Nordsee-Energiekooperation oder das gigantische „EuroAsia“-Unterseekabel im Mittelmeer.

➡️ ENTSO-E Vision: A Power System for a Carbon Neutral Europe

Doch die Tragik unserer aktuellen Politik setzt sich auch hier nahtlos fort: Statt eines koordinierten EU-Großprojekts versinkt der Ausbau in nationalen Einzelgängen.

Fazit

Am Ende zeigt uns die nüchterne Betrachtung der Zahlen und physikalischen Gesetze eine unumstößliche Wahrheit: Der Traum von der Klimaneutralität lässt sich nicht im Alleingang innerhalb künstlich gezogener Landesgrenzen erzwingen. Wenn wir weiterhin Milliarden an Steuergeldern in einen ineffizienten, rein nationalen Ausbau stecken, betreiben wir reinen Aktionismus. Wir opfern die unberührte Natur und den Lebensraum in unserer Heimat für ein System, das aufgrund unserer geografischen Lage im Winter kollabiert und im Sommer astronomische Überschüsse vernichtet – mit messbar minimalsten Auswirkungen auf das globale Klima.

Als Bürgerinitiative verschließen wir uns den erneuerbaren Energien keineswegs generell. Uns geht es um Vernunft, Physik und echten Umweltschutz. Genau deshalb sehen wir die Notwendigkeit einer grenzübergreifenden, europäisch koordinierten Gesamtlösung als den einzig gangbaren Weg an. Wir müssen aufhören, Energiepolitik in kleinstaatlichen Silos zu denken. Nur ein echtes, grenzüberschreitendes „Supergrid“, das die Solarkraft des Südens, die Windkraft des Nordens und die mechanischen Wasserspeicher der Alpen logisch miteinander verknüpft, besitzt die Kraft, den Kontinent verlässlich und bezahlbar zu versorgen – ohne unsere heimischen Wälder und Landschaften zu opfern. Wenn die EU das hehre Ziel des Klimaschutzes wirklich ernst meint und nicht nur als bürokratisches Instrument nutzt, muss sie jetzt die nationalen Egoismen brechen und dieses gemeinsame Großprojekt anfassen. Alles andere ist blinde Ideologie auf Kosten unserer Natur – und ein planerischer Holzweg, den wir uns schlicht nicht mehr leisten können.

Transparenzhinweis: Die Zahlenangaben wurden mit Hilfe von öffentlich zugänglichen Quellen unter Zuhilfenahme von KI-Recherche-Tools zusammengetragen und nach bestem Wissen geprüft.

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